Zeitgeschichte Museum Ebensee solidarisiert sich mit den Protesten
Eine Stellungnahme zur bildungspolitischen Situation an Österreichs Universitäten
Die Geschichte hat uns vor Augen geführt, dass das gesteuerte Fernhalten der Bevölkerung, vor allem weniger privilegierten Bevölkerungsschichten von öffentlichen Bildungseinrichtungen, einerseits zu Elitenbildung, andererseits zu politischem Extremismus führt. Nur ein freier Bildungszugang stellt sicher, dass ethische Grundsätze, Individualismus und Offenheit einer Gesellschaft im Sinne eines umfassenden humanistischen Weltbildes erhalten und weiterentwickelt werden können.
Eine österreichische Bildungspolitik, die dazu tendiert, sich ausschließlich an Kriterien der ökonomischen Verwertbarkeit von Wissen zu orientieren, ist grundsätzlich zu hinterfragen.
Die Folge wäre eine unkritische, entpolitisierte Gesellschaft am Gängelband von Industrie- und Finanzwirtschaft.
Bildung muss unabhängig vom sozialen und wirtschaftlichen Status für jeden leistbar und zugänglich bleiben. Die österreichische Bundesregierung ist gefordert, ein ausreichendes finanzielles Fundament bereitstellen, um Bildung und Ausbildung auf hohem Niveau anbieten zu können. Zugleich ist es notwendig, in Bildungsinstitutionen das demokratische Mitspracherecht aller Beteiligten zu sichern, um den heterogenen Ansprüchen an Lehrpläne und Lehrinhalte gerecht zu werden.
Das Zeitgeschichte Museum Ebensee solidarisiert sich mit der Protestbewegung an den Österreichischen Universitäten, die mittlerweile nicht nur von Studentinnen und Studenten, sondern auch Gewerkschaften, Arbeiterinnen und Arbeitern sowie außeruniversitären Bildungseinrichtungen in ganz Österreich getragen wird.
Ebensee, am 30.10.2009